Das Wintermärchen „Paid Content“ – Oder der letzte Strohhalm der Verlage?
Es war einmal das „mobile Internet“. Wir schreiben das Jahr 1999. Viele sind beflügelt von den Kometenhaften Aufstieg einiger Internet-Unternehmen an der Börse. Der Handy-Markt boomt in dieser Zeit. Da erscheint am Horizont eine neue Erlösquelle. Dieses junge Geschöpf „mobile Internet“ wollen die großen Provider und Contentanbieter für sich behalten. Sehr schnell ist ihnen klar sie sollten, um diesem zarten Wesen nicht zu schaden einen Zaun bauen der es vor ausschweifender Nutzung schützt. So entstand der „walled garden“ in der Burg „Paid Content“. Die Provider erlaubten Besuchern des „mobilen Internets“ sich lediglich in einem geschützten Bereich zu bewegen. Alles weiter wurde entweder kategorisch ausgeschlossen oder war mit übermäßigen Kosten für die Nutzer verbunden.
Die Anwender haben nicht den Nutzen in diesen Angeboten gesehen und das „mobile Internet“ wurde kaum besucht. Alle wunderbaren Ideen, Konzepte und Partnerschaften wurden schnell wieder beendet und das „mobile Internet“ verschwand in der Versenkung und war vorerst verschollen.
Ein wichtiger Grund waren die hohen Kosten für die Nutzung der mobilen Inhalte. Weitere waren, zu kleine Displays, eine schlechte Usability, ein zu geringes Angebot an Inhalten und Diensten.
Im Jahr 2009 wurde wie durch iWunder [ai Wunder] das „mobile Internet“ wiederentdeckt. Die Anwender haben fast ganz ohne die Schützenden Hände der Provider und Contentanbieter das mobile Internet für sich entdeckt. Trotz des fehlenden Schützes durch Paid-Content reifte das „mobile Internet“ zu einem stattlichen Markt heran.
Doch Hilfe ist nicht fern, denn ein tapferer Ritter der erbarmen hatte nahm sich ein Herz und will nun wieder die marode Burg „Paid Content“ wieder errichten. Die Anwender sollen zukünftig nicht schamlos das mobile Internet missbrauchen um sich wissbegierig mit Informationen zu versorgen. Dem soll nun ein Ende gesetzt werden. Es wird ab nun wieder ein Wegezoll erhoben um in die Burg „Paid Content“ Einlass zu erlangen….
Es klingt wirklich wie ein Wintermärchen. Sehr qualifizierte Menschen machen sich Gedanken über Einnahmequellen und leider wird wieder einmal versucht Mechanismen einfach ins Internet zu kopieren. Für Inhalte soll gezahlt werden, wie für eine Zeitung.
Als die Verlage ins Internet stürmten waren diese leider auch relativ einfallslos. In den vergangen Jahren merkten die Verlage, das offline-Journalismus nicht eins zu eins auf Online-Journalismus übertragbar ist. Die Gattung der Online-Redakteure war geschaffen – zu Recht. Wiese können die Verlage sich nicht an die Gegebenheiten die das Internet nun mal vorgibt anpassen und versuchen durch neue Ideen Businessmodelle zu entwickeln die tatsächlich Online-Tauglich oder sogar revolutionär sind. Aber stattdessen versuchen Sie das Internet, ja sogar eine ganze Kultur die mittlerweile dahinter steht zu verändern.
Ich bin gespannt ob das Kalkül der Verlage aufgehen wird. Daran Glauben tue ich in keinster Weise, sobald die Menschen Geld für etwas ausgeben müssen, dass sich für sie als überzogen darstellt werden Alternativen gesucht oder geschaffen. Nur weil Springer nun „neumodische“ Apps anbietet die zu Bezahl-Angeboten führen, werden die Menschen diese nicht blind nutzten. Es wird immer genügend Alternativen geben. Auch wenn ich es selbst nicht mehr hörn mag: „Willkommen im Web2.0“. Die öffentlich-rechtlichen stehen bereits in den Startlöchern.
Das Wintermärchen „Paid Content“ – Oder der letzte Strohhalm der Verlage? | michael-wolczyk.de…
Es klingt wirklich wie ein Wintermärchen. Sehr qualifizierte Menschen machen sich Gedanken über Einnahmequellen und leider wird wieder einmal versucht Mechanismen einfach ins Internet zu kopieren. Für Inhalte soll gezahlt werden, wie für eine Zeitung….
Ich geh mit dem Artikel mit, eine Burg zu bauen während andere schon mit der Atombombe spielen ist erbärmlich.
Wissen ist wie eine Flüssigkeit, wenn man Teile eines Wissenssumpfes trockenlegt aka “Paid Content” dann wird sich das Wissen aussenrum schlängeln.
Und wenn ich schon GEZ zahle, warum dürfte die ARD ihre Arbeit nicht auch über Apps, das Netz etc senden?
Jetzt geht der Lobbykampf weiter , ekelerregend…
Einen interessanten Beitrag zu diesem Thema habe ich jetzt noch bei der F.A.Z. gefunden:
Zahlungsbereitschaft der Deutschen für Internet-Inhalte ist sehr gering